Warum Kyllburg keinen Karnevalsprinzen hat

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3 Feb 2010 0 dussy

Der Karneval, oder wie man hier sagt die Foasicht, hat in dem kleinen Eifelstädtchen Kyllburg eine lange Tradition. Man übernahm recht bald den Brauch der mittelalterlichen Mönche am Vorabend der Fastenzeit (Fast-Nacht = Nacht vor dem Fasten), gemeinsam zu feiern und noch einmal ausgiebig zu essen. Danach begann die Fastenzeit mit dem carnelevale, der Fleischwegnahme. Aus dem Mittelalter stammte auch der Brauch des Hahnenkampfs, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von den jungen Kyllburger Burschen veranstaltet wurde. Ende Januar fanden diese Kämpfe statt. Federn folgen, Blut floss, Anfeuerungsrufe peitschten den immer hitziger werdenden Kampf. Hahn um Hahn schied aus und am Ende blieb ein Sieger übrig. Der Besitzer des Federviehs wurde zum Hahnenkönig gekrönt. Der Hahnenkönig hatte weitreichende Rechte und einen eigenen Hofstaat. So durfte zum Beispiel niemand sprechen, ohne dass es der König erlaubt hätte.
Nach dem Kampf fanden ausgedehnte Feierlichkeiten statt, die ihren Höhepunkt zur Fastnacht hatten. Der Hahnenkampf war das Volksfest, an dem sich nicht nur die Jugend, sondern die gesamte Bevölkerung beteiligte.
Mit der französischen Revolution fand der Hahnenkampf ein jähes Ende und auch die Fastnacht kam fast zum Erliegen.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kam die rheinische Version des Karnevals nach Kyllburg und entwickelte hier ganz eigene Züge.
Bei der Leitfigur verzichtete man auf den üblichen Prinzen. So griff man die Idee des einstigen Hahnenkönigs auf, einem Bürgerlichen, der für einen gewissen Zeitraum die Rechte eines Adeligen erhält. Man benannte ihn nach einer Gemarkung im Kyllburger Umland – Freiherr von Schawen.
An seiner Seite stehen zwei Figuren, die auch der Hahnenkönig schon in seinem Hofstaat hatte: Zum einen der Hanswurst, zuständig für die persönliche Belustigung des Freiherrn und zum andren eine abgewandelte Version des einst königlichen Mundschenks, in seiner heutigen Form als persönlicher Diener, der Schwarze. Erst in neuerer Zeit bekam der Freiherr zum persönlichen Schutz zwei Pagen an die Seite gestellt.

Der Freiherr von Schawen mit seinem Gefolge ist heute fester Bestandteil jeder Kyllburger Fastnachtsveranstaltung und die Kyllburger sind stolz auf ihr außergewöhnliches Dreigestirn.

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