Freiherr von Schawen

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Der Freiherr von Schawen ist eine Kunstfigur und närrisches Oberhaupt der Kyllburger Fastnacht. Er tritt stets als Dreigestirn mit Hanswurst und Schwarzem auf. Zu seiner sogenannten Schawenmannschaft gehören zusätzlich zwei Pagen. Seit wann genau der Freiherr von Schawen die Kyllburger Fastnacht begleitet ist nicht überliefert. Auf einem der ältesten Fotos von 1922 ist er schon zu sehen mit seinem Gefolge.

Herkunft des Namens

Im Laufe der Jahre gab es immer wieder unterschiedliche Schreibweisen (Schowel, Scharwel, Scharwen, Schoawen). Die heute gebräuchliche ist „Freiherr von Schawen“ oder auf Kyllburger Platt „Den Schoawen“ [dn̩ ˈʃɔːvn̩].

Man nimmt an, dass der Name sich auf eine Flur im Kyllburger Bann „Auf Scharret“ bezieht. Auf Scharret „entspringt” der Korlesbach, Kyllburgs einziger Bach. Der Korlesbach ist jedoch strenggenommen kein Bach im eigentlichen Sinne, da er über keine Quelle verfügt. Er ist eine Ablaufrinne für Regenwasser, das die Hänge herabfließt. Er führt daher nur bei Regen Wasser.

Das Wort Freiherr geht auf den spätmittelhochdeutschen Ausdruck vrīherre zurück und bedeutet freier Edelmann. Die Zugehörigkeit zum Adel ging fast immer mit Landbesitz und -herrschaft einher. Ritter waren zum Beispiel zunächst nicht zwangsläufig Adelige, konnten aber durch Lehen dazu aufsteigen. Bis zum 13. Jahrhundert bestand innerhalb des Adels noch keine Standesschranke zwischen dem hohen Adel und dem niederen Adel. So waren die Grafen als Territorialherren den Reichsfürsten nahezu gleichgestellt. Der Adelstitel hing vom beherrschten Territorium ab. Eine besser bekannte Bezeichnung für einen Freiherrn lautet Baron.

Der Freiherr von Schawen ist somit der Baron über den kleinen Landstrich „Auf Scharret”. Da hier jedoch der Korlesbach seinen Anfang nimmt, der sein Wasser Richtung Kyll trägt und so im ganzen Ort verteilt, kann der Freiherr seinen Herrschaftsbereich auf den ganzen Ort ausweiten. Das gilt natürlich nur für die Zeit zwischen Herbst und Frühling, wenn der Korlesbach überhaupt Wasser führt. Und das ist zufällig genau zur Karnevalszeit.

Mögliche Herleitung

Der Karneval, oder wie man hier sagt die Foasicht, hat in dem kleinen Eifelstädtchen Kyllburg eine lange Tradition. Man übernahm recht bald den Brauch der mittelalterlichen Mönche am Vorabend der Fastenzeit (Fast-Nacht = Nacht vor dem Fasten), gemeinsam zu feiern und noch einmal ausgiebig zu essen. Danach begann die Fastenzeit mit dem carnelevale, der Fleischwegnahme. Aus dem Mittelalter stammte auch der Brauch des Hahnenkampfs, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von den jungen Kyllburger Burschen veranstaltet wurde. Ende Januar fanden diese Kämpfe statt. Federn folgen, Blut floss, Anfeuerungsrufe peitschten den immer hitziger werdenden Kampf. Hahn um Hahn schied aus und am Ende blieb ein Sieger übrig. Der Besitzer des Federviehs wurde zum Hahnenkönig gekrönt. Der Hahnenkönig hatte weitreichende Rechte und einen eigenen Hofstaat. So durfte zum Beispiel niemand sprechen, ohne dass es der König erlaubt hätte.

Nach dem Kampf fanden ausgedehnte Feierlichkeiten statt, die ihren Höhepunkt zur Fastnacht hatten. Der Hahnenkampf war das Volksfest, an dem sich nicht nur die Jugend, sondern die gesamte Bevölkerung beteiligte.

Mit der französischen Revolution fand der Hahnenkampf ein jähes Ende und auch die Fastnacht kam fast zum Erliegen.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kam die rheinische Version des Karnevals nach Kyllburg und entwickelte hier ganz eigene Züge.

Bei der Leitfigur verzichtete man auf den üblichen Prinzen. Man griff die Idee des einstigen Hahnenkönigs auf, eines Bürgerlichen, der für einen gewissen Zeitraum die Rechte eines Adeligen erhält. Man benannte ihn nach einer Gemarkung im Kyllburger Umland – Freiherr von Schawen. An seiner Seite stehen zwei Figuren, die auch der Hahnenkönig schon in seinem Hofstaat hatte: Zum einen der Hanswurst, zuständig für die persönliche Belustigung des Freiherrn und zum anderen eine abgewandelte Version des einst königlichen Mundschenks, in seiner heutigen Form als persönlicher Diener, der Schwarze. Zum persönlichen Schutz werden dem Schawen zwei Pagen an die Seite gestellt.

Der Freiherr von Schawen mit seinem Gefolge ist heute fester Bestandteil jeder Kyllburger Fastnachtsveranstaltung und die Kyllburger sind stolz auf ihr außergewöhnliches Dreigestirn.

Aussehen

Der Freiherr wird in der Regel als Adeliger in barock anmutender Kleidung dargestellt. Er trägt einen schwarzen Dreispitz, weiße Handschuhe und einen roten Gehrock mit zugeknöpfter Weste, dazu schwarze Kniebundhosen und schwarze Schuhe mit Schnalle. Da jeder Freiherr sein Kostüm selbst wählt, sehen diese nie völlig gleich aus. Als Attribute hat der Freiherr eine lange Tabakspfeife und eine Tabaksdose, die der Mohr ihm mit ausgestreckten Armen vorweg trägt.

Aufgaben

Der Freiherr hat offiziell hauptsächlich repräsentative Aufgaben. Er ist an nahezu jeder Veranstaltung der KKG anwesend und hält üblicherweise jeweils eine kurze Rede. Lediglich an der Kappensitzung kann diese Rede auch etwas länger ausfallen.

Bei der Ankunft der Foasicht kommt er mit einem Boot die Kyll herunter gefahren und hält eine Antrittsrede. An den Kappensitzungen bekommt er, nach dem Elferrat, einen eigenen Einzug zu dem sich alle Besucher erheben. Bei seiner anschließenden Rede geht er üblicherweise satirisch auf das Vereinsgeschehen und örtliche Vorkommnisse ein. Bei der Kinderkappensitzung übernimmt der Kinderschawen die repräsentativen Aufgaben. Am Weiberdonnerstag ist der Schawen in der Regel nicht anwesend. Am Karnevalssonntag fährt der Freiherr mit Gefolge durch die Straßen der Stadt und lässt von seinem Hanswurst die Proklamation verlesen. Im Umzug ist der Freiherr stets die erste Wagengruppe. Bei der Verbrennung der Foasicht begleitet der Freiherr die Foasicht bei ihrem letzten Gang um die Kyllbrücken und beendet mit einer Schlussrede die Fastnachtszeit.

Die bisherigen Freiherren

Dieser Abschnitt ist noch sehr lückenhaft. Wer Aufklärung leisten kann zur Zeit vor 1977 ist herzlich dazu eingeladen.


Josef Hollerbach
1955(?)-1963(?)

Peter Kapeller
1966(?)-1969(?)

Theo Kemen
(1971)-(1972)

Heinz Dahm
1977-1988

Wolfgang Ohmstede
1989-1993

Reinhold Uhrmacher
1994-2003

Otmar Schiffmann
seit 2004

Legendenbildung

Da keine gesicherten Belege für die Herkunft des Freiherrn existieren, wurde kurzerhand eine Geschichte erfunden. Diese wurde erdacht und niedergeschrieben vom derzeitigen Schawen Otmar Schiffmann.

Die Geschichte des Freiherrn von Schawen und seinem Gefolge

(in keinem Geschichtsbuch der Welt nachzulesen, aber in den Herzen der Kyllburger Narren manifestiert) von Otmar Schiffmann

Freiherr von Schawen

Im Mittelalter lebte der Freiherr von Schawen als Lehnsherr im Distrikt “auf Scharret” im Kyllburger Bann. Zu dieser Zeit gab es überall Kämpfe und Kriege zwischen den untereinander zerstrittenen Rittern. Der Freiherr von Schawen, wegen seiner Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft von seinen Untertanen geliebt und geachtet, zog einst aus, um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen.

Auf seinen Reisen in der weiten Welt kämpfte er stets für Gerechtigkeit und half jedwedem Unterlegenen gegen die Tyrannei.

Nach 30-jährigem Freiheitskampf, in dem er sich vor allem wegen seines Mutes im Kampf für die Gerechtigkeit einen Namen gemacht hatte, beschloss er, wieder in seine Heimatstadt Kyllburg zurückzukehren.

Doch sein Ruf als “guter Herr” war ihm bereits weit vorausgeeilt. Als er gemeinsam mit seinen zwei Weggefährten am 11 Tag des 11 Monats (Jahreszahl nicht genau geklärt) über die Kyll seiner Heimatstadt entgegenruderte, war die ganze Bevölkerung des Orts am Kyllufer versammelt. Sie begrüßten “ihren” Lehnsherrn freudenstrahlend mit tobendem Beifall freudigen Gesängen.

Tief beeindruckt über den herzlichen Empfang durch seine Untertanen beschloss der Freiherr, gemeinsam mit seinen Untertanen seine unversehrte Rückkehr ausgiebig zu feiern.

Weil die Kyllburger Bevölkerung schon immer verstand, die Feste ausgiebig zu feiern, zog sich die “Narretei” über einige Monate hinweg bis ins neue Jahr hinein.

Erst als der Klerus (Kirche) ihm dass ausschweifende Feiern mit Beginn des “Aschermittwochs” untersagte, beendeten der Freiherr von Schawen und seine Untertanen ihr närrisches Treiben und wendeten sich wieder ihrer normalen Arbeit zu.

Seit dieser Zeit wird in Kyllburg ab dem 11. November bis einschließlich Fastnachtsdienstag der Karneval in Kyllburg ausgiebig von der gesamten Bevölkerung unter der Schirmherrschaft “ihres” Freiherrn von Schawen gefeiert.

Hanswurst

Auf seinen Reisen durch die weite Welt erlebte der Freiherr von Schawen viel Elend und Ungerechtigkeit. Traurig saß er nach seinem Tagwerk, also dem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit, am Feuer und war in Sorge darüber, dass er die sich selbst gestellte Aufgabe nicht zur Zufriedenheit aller lösen könne.

Da gesellte sich ein Hofnarr zu ihm, der durch sein lustiges und freudiges Gehabe den Freiherrn aufmunterte und ihn darin bestärke, seinen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit fortzusetzen.

Mohr (Schwarzer)

Im fernen Afrika befreite der Freiherr von Schawen einst einen Mohren, den ein Tyrann aus der Neuen Welt von einem Sklavenhändler für den Preis eines Talers erworben hatte. Schwer misshandelt und seiner Zunge beraubt, wurde der Mohr vom Freiherrn gesund gepflegt. Über die aufopferungsvolle Pflege und die wiedergewonnene Freiheit war der Mohr dem Freiherrn von Schawen so dankbar, dass er seinem Befreier schwor, ihn bis ans Ende seiner Tage zu begleiten und ihm zu Diensten zu sein, wann immer der Freiherr das wöllte.

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