Das Kyllburger Dreigestirn

Home Das Kyllburger Dreigestirn

Der Karneval, oder wie man hier sagt die Foasicht, hat in dem kleinen Eifelstädtchen Kyllburg eine lange Tradition. Man übernahm recht bald den Brauch der mittelalterlichen Mönche am Vorabend der Fastenzeit (Fast-Nacht = Nacht vor dem Fasten), gemeinsam zu feiern und noch einmal ausgiebig zu essen. Danach begann die Fastenzeit mit dem carnelevale, der Fleischwegnahme. Aus dem Mittelalter stammte auch der Brauch des Hahnenkampfs, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts von den jungen Kyllburger Burschen veranstaltet wurde. Ende Januar fanden diese Kämpfe statt. Federn folgen, Blut floss, Anfeuerungsrufe peitschten den immer hitziger werdenden Kampf. Hahn um Hahn schied aus und am Ende blieb ein Sieger übrig. Der Besitzer des Federviehs wurde zum Hahnenkönig gekrönt. Der Hahnenkönig hatte weitreichende Rechte und einen eigenen Hofstaat. So durfte zum Beispiel niemand sprechen, ohne dass es der König erlaubt hätte.

Nach dem Kampf fanden ausgedehnte Feierlichkeiten statt, die ihren Höhepunkt zur Fastnacht hatten. Der Hahnenkampf war das Volksfest, an dem sich nicht nur die Jugend, sondern die gesamte Bevölkerung beteiligte.

Mit der französischen Revolution fand der Hahnenkampf ein jähes Ende und auch die Fastnacht kam fast zum Erliegen.

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kam die rheinische Version des Karnevals nach Kyllburg und entwickelte hier ganz eigene Züge.

Bei der Leitfigur verzichtete man auf den üblichen Prinzen. So griff man die Idee des einstigen Hahnenkönigs auf, einem Bürgerlichen, der für einen gewissen Zeitraum die Rechte eines Adeligen erhält. Man benannte ihn nach einer Gemarkung im Kyllburger Umland – Freiherr von Schawen.


Seit der Session 2004 verkörpert er das
Oberhaupt der Kyllburger Narrenschar –
Otmar Schiffmann

An seiner Seite stehen zwei Figuren, die auch der Hahnenkönig schon in seinem Hofstaat hatte: Zum einen der Hanswurst, zuständig für die persönliche Belustigung des Freiherrn und zum andern eine abgewandelte Version des einst königlichen Mundschenks, in seiner heutigen Form als persönlicher Diener, der Schwarze. Erst in neuerer Zeit bekam der Freiherr zum persönlichen Schutz zwei Pagen an die Seite gestellt.

Der Freiherr von Schawen mit seinem Gefolge ist heute fester Bestandteil jeder Kyllburger Fastnachtsveranstaltung und die Kyllburger sind stolz auf ihr außergewöhnliches Dreigestirn.

Die Geschichte des Freiherrn von Schawen und seinem Gefolge

(in keinem Geschichtsbuch der Welt nachzulesen, aber in den Herzen der Kyllburger Narren manifestiert)
von Otmar Schiffmann

Freiherr von Schawen

Im Mittelalter lebte der Freiherr von Schawen als Lehnsherr im Distrikt „auf Scharret“ im Kyllburger Bann. Zu dieser Zeit gab es überall Kämpfe und Kriege zwischen den untereinander zerstrittenen Rittern. Der Freiherr von Schawen, wegen seiner Gerechtigkeit und Hilfsbereitschaft von seinen Untertanen geliebt und geachtet, zog einst aus, um Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in die Welt zu bringen.

Auf seinen Reisen in der weiten Welt kämpfte er stets für Gerechtigkeit und half jedwedem Unterlegenen gegen die Tyrannei.

Nach 30-jährigem Freiheitskampf, in dem er sich vor allem wegen seines Mutes im Kampf für die Gerechtigkeit einen Namen gemacht hatte, beschloss er, wieder in seine Heimatstadt Kyllburg zurückzukehren.

Doch sein Ruf als „guter Herr“ war ihm bereits weit vorausgeeilt. Als er gemeinsam mit seinen zwei Weggefährten am 11 Tag des 11 Monats (Jahreszahl nicht genau geklärt) über die Kyll seiner Heimatstadt entgegenruderte, war die ganze Bevölkerung des Orts am Kyllufer versammelt. Sie begrüßten „ihren“ Lehnsherrn freudenstrahlend mit tobendem Beifall freudigen Gesängen.

Tief beeindruckt über den herzlichen Empfang durch seine Untertanen beschloss der Freiherr, gemeinsam mit seinen Untertanen seine unversehrte Rückkehr ausgiebig zu feiern.

Weil die Kyllburger Bevölkerung schon immer verstand, die Feste ausgiebig zu feiern, zog sich die „Narretei“ über einige Monate hinweg bis ins neue Jahr hinein.

Erst als der Klerus (Kirche) ihm dass ausschweifende Feiern mit Beginn des „Aschermittwochs“ untersagte, beendeten der Freiherr von Schawen und seine Untertanen ihr närrisches Treiben und wendeten sich wieder ihrer normalen Arbeit zu.

Seit dieser Zeit wird in Kyllburg ab dem 11. November bis einschließlich Fastnachtsdienstag der Karneval in Kyllburg ausgiebig von der gesamten Bevölkerung unter der Schirmherrschaft „ihres“ Freiherrn von Schawen gefeiert.

Hanswurst

Auf seinen Reisen durch die weite Welt erlebte der Freiherr von Schawen viel Elend und Ungerechtigkeit. Traurig saß er nach seinem Tagwerk, also dem Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit, am Feuer und war in Sorge darüber, dass er die sich selbst gestellte Aufgabe nicht zur Zufriedenheit aller lösen könne.

Da gesellte sich ein Hofnarr zu ihm, der durch sein lustiges und freudiges Gehabe den Freiherrn aufmunterte und ihn darin bestärke, seinen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit fortzusetzen.

Mohr (Schwarzer)

Im fernen Afrika befreite der Freiherr von Schawen einst einen Mohr, den ein Tyrann aus der Neuen Welt von einem Sklavenhändler für den Preis eines Talers erworben hatte. Über die wiedergewonnene Freiheit war der Mohr dem Freiherrn von Schawen so dankbar, dass er seinem Befreier schwor, ihn bis ans Ende seiner Tage zu begleiten und ihm zu dienen.

 

Kategorie: / Stichwörter: