Offener Brief in eigener Sache

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27 Jan 2015 0 dussy

„Mir sein erom do! Et geht wie freher!“ Das ist seit nunmehr 58 Jahren das Motto der Kyllburger Karnevalsgesellschaft. Und es scheint, als sei es nie passender gewesen als in dieser Session. Denn wir Kyllburger Karnevalisten wagen den Schritt zurück zu den eigentlichen Wurzeln des Rheinischen Karnevals. Nicht Masse, sondern Klasse. Vielen ist gar nicht mehr bewusst, dass Karneval im Prinzip eine kulturelle Veranstaltung ist. In den vergangen Jahrzehnten wurde die Fastnacht stark kommerzialisiert. Immer größere Veranstaltungen mit immer mehr Besuchern waren das zunächst positiv erscheinende Ergebnis. Doch auch diese Entwicklung hat ihre Schattenseiten. Denken wir einmal zurück an die vergangene Session. Grandios sind wir gestartet mit der kleinen kuriosen Kappensitzung im Eifeler Hof. Dies war ein gewagtes Experiment, das eine phantastische Resonanz hervorrief. Eine Woche später veranstalteten wir die große Kappensitzung in der Turnhalle. Der Publikumszulauf war derart groß, dass die Plätze nicht ausreichten. Trotz vollen Saals mit durchaus interessiertem Publikum, war es für die Akteure auf der Bühne oft eine Qual. Es gibt halt immer wieder Besucher, die das Geschehen auf der Bühne nur am Rande interessiert. Sie genießen die tolle Atmosphäre der Narrhalla und nutzen die Kappensitzung, um mit Freunden einen geselligen Abend zu verbringen. Leider geht das oft mit diversen Störgeräuschen einher.
Zum ersten Mal in meinen 20 Jahren in der Bütt wollte ich unseren Vortrag abbrechen, da es nicht gelang zum Publikum vorzudringen. Wie sich schnell herausstellte war ich mit meinem Eindruck nicht allein. Den meisten meiner Mitstreiter ging es nicht anders. Ich will hier nicht das Publikum pauschal als uninteressiert hinstellen, es reichen oft nur wenige Störer um einen negativen Gesamteindruck zu hinterlassen. Als Akteur bereitest du dich oft wochenlang auf die Kappensitzung vor. Da wird gedichtet, komponiert und choreographiert; alles aus Spaß an der Freud und dann – so was wie in der Turnhalle.
Nach der Session trafen wir uns im Vorstand, um unser weiteres Vorgehen zu beraten. Einig war man sich in dem Punkt, dass man eine derart unruhige und laute Kappensitzung nicht mehr wollte. Nach einigem hin und her, verständigte man sich darauf die Option zu prüfen, die Sitzungen nur noch im Eifeler Hof stattfinden zu lassen. Natürlich musste da der Pächter mitmachen. Erleichtert stellten wir schon bald fest, dass wir mit unserem Ansinnen beim Eifeler-Hof-Pächter Christian Becker offene Türen einrannten. Schnell wurden wir uns einig.
Der große Nachteil des Speisesaals im Eifeler Hof ist, dass nur etwa 100 Leute reinpassen. Das ist eine Kröte, die wir leider schlucken müssen. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben ist, dass die Karten für die erste Sitzung innerhalb von 15 Minuten ausverkauft waren. Zahlreiche, treue und interessierte Stammbesucher gingen leider leer aus. Viele sind mittlerweile auf die zweite Sitzung am kommenden Sonntag ausgewichen. Andere wollen aus verschiedenen Gründen keine Nachmittagssitzung besuchen. Wir als Verein bedauern es sehr, dass einige leer ausgingen. Wir suchen daher nach einer Lösung, die der großen Nachfrage gerecht wird. Sie können sicher sein, dass wir die Kartenvergabe in der nächsten Session optimieren werden.
Nachdem die erste Sitzung am vergangenen Samstag (24.02.2015) ein voller Erfolg war, sind wir frohen Mutes, dass unsere Neuorientierung in die richtige Richtung führt. Trotz einem fast 5-stündigen Mammutprogramm, bewahrten die Zuschauer ihre Ruhe bis zum Schluss. Und die Stimmung war kaum zu toppen. Dafür möchte ich den anwesenden Gästen, stellvertretend für alle Akteure, meinen herzlichsten Dank sagen. Und ich hoffe, Sie wurden mit einem abwechslungsreichen und kurzweiligen Programm belohnt.
Eingangs erwähnte ich, dass wir zurück zu den Wurzeln des Karnevals möchten. In besonderer Art und Weise wird sich das in den kommenden Jahren beim traditionelle Karnevalsumzug am Tulpensonntag zeigen. „Zurück“ heißt im Falle des Umzugs, weg von den großen, lauten Partywagen, hin zu mehr bunten Motivwagen und fröhlichen Fußgruppen. Einen ersten Erfolg konnten wir schon verbuchen, da wir in diesem Jahr erstmals wieder drei Musikvereine mitmarschieren lassen können. Dankenswerter Weise haben die Musikvereine aus Oberkail und Spangdahlem zugesagt. Sie werden die Lücke schließen, die durch fehlende Musik auf den Umzugswagen entsteht. Doch warum gehen wir diesen drastischen Schritt. Dafür gibt es mindestens zwei gute Gründe. Zum einen hat uns die Verwaltung hohe Auflagen aufgebrummt, was die Sicherheit der Wagen angeht. So müssen alle Wagen durch einen TÜV-Gutachter auf ihre Tauglichkeit geprüft werden. Dies ist mit Kosten verbunden, die die wenigsten Gruppen aufbringen können und wollen. Zum anderen vertritt unsere Versicherung die Auffassung, dass diese Partywagen eher was bei der Loveparade zu suchen haben, als auf einem Karnevalsumzug. Wenn man bedenkt, dass die Lautstärke dieser Wagen oft über der Schmerzgrenze lag und auch gutes Zureden seitens des Vereins da nichts nutzte, kann man die Einstellung der Versicherung verstehen. Oft bestehen die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen bevölkerten Wagen hauptsächlich aus einer gut sortierten Bar, die dann auch prompt bestimmungsgemäß exzessiv genutzt wird. Wer will es den jungen Leuten auch verübeln? Aber, und ich wiederhole mich, Karneval ist Kultur! Und Saufgelage gehören nicht dazu. Wir können von Glück reden, dass beim Kyllburger Umzug noch nie etwas schlimmes passiert ist. Aber die Gefahr besteht nun mal vermehrt im Umfeld der Partywagen. Traurige Beispiele findet man leider zuhauf in der Presse.
Die Neuausrichtung der Kyllburger Fastnacht wird nicht von heute auf morgen machbar sein. Ich gehe auch davon aus, dass die Gefahr besteht, dass wir uns in der ein oder anderen Sackgasse verrennen. Das kann passieren, wenn man ausgetretene Pfade verlässt und neue Wege beschreitet.
Wir bitten nur darum, dass sie dennoch uns die Treue halten und uns bei unserem Tun unterstützen. Denn: Karneval machen wir nicht für uns! Wir machen es für alle Kyllburger Bürger.
In diesem Sinne ein dreifach kräftiges Kyllburg Helau!

Im Namen des gesamten Vorstands
Christian Schmidt

Kategorie: Aktuell