Nachlese erste Kappensitzung

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27 Jan 2015 0 dussy

Quod non in actis, non in mundo – Was nicht in den Akten steht, ist in der Welt nicht existent. Und das stimmt! Was man nicht aufschreibt, gerät schnell in Vergessenheit. Zugegeben, ein wenig schwülstig, aber ich wollte schon immer mal eine Kappensitzungsnachlese etwas kultivierter beginnen. Da sind wir auch schon beim Stichwort Kultur. Kultur oder kulturell sind keine Begriffe, die man im ersten Moment mit Karneval in Verbindung bringen würde und doch, eine Kappensitzung ist im Grunde auch eine kulturelle Veranstaltung. Es geht zwar etwas feucht-fröhlicher her als an so mancher Opernaufführung, dennoch hat eine Veranstaltung in der Narrhalla alle Bestandteile für einen Kulturabend. Es wird gedichtet, komponiert, choreographiert und vorgetragen. Viel Mühe und Zeit investieren die Akteure in der Bütt für ihren heiteren Vortrag und wenn dieser gut war, gibt’s reichlich Tuschs und Applaus.
Am Samstag, dem 24. Januar 2015 war es für die Kyllburger Narren endlich wieder soweit. Pünktlich um 20 Uhr 11 ertönte der dreifache Hahnenschrei und zu den Klängen des Narrhallamarsches marschierten Elferrat und Funken auf die nur 6×3 Meter große Bühne im Speisesaal des Eifeler Hofs. Zum zweiten Mal durften die Kyllburger Foasgecken nun Gast im alt-ehrwürdigen Hotel Eifeler Hof sein. Die besondere Atmosphäre des alten Gemäuers hat es uns Kyllburger Karnevalisten angetan. Da nimmt man auch die äußerst beengten Verhältnisse in Kauf, die zum einen nur etwa 100 Zuschauer Platz bieten und zum anderen nur eine Hintereinanderstapelung von Elferrat und Musikverein zulassen. Lediglich dem Freiherrn von Schawen samt Entourage wurde eine Komfortzone eingerichtet. Das ist jedoch legitim, da es sich bei ihm schließlich um die Galionsfigur der Kyllburger Fastnacht handelt. Der Freiherr von Schawen, in diesem Jahr bereits zum 11ten Mal überzeugend verkörpert von der Reinkarnation seiner selbst, Otmar Schiffmann. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Sitzungspräsidenten Frank Schmitt, wurde der Freiherr unter stehenden Ovationen zur Bühne geleitet, wo er sogleich seine Begrüßungsworte ans Volk richtete. Ich werde an dieser Stelle nicht detailliert die einzelnen Beiträge wiedergeben, um auch nicht die Spannung für die zweite Sitzung am kommenden Sonntag (1. Februar 2015) zu nehmen. Daher hier nur ein chronologischer Ablauf. Nach der Rede des Freiherrn folgte das Kyllburger Lied, das traditionell von den als „Brändies“ auftretenden Restsängern des Männerquartetts vorgetragen wird. Da der Musikverein versehentlich zu früh aufhörte zu spielen, sang der ganze Saal aus vollem Hals die zweite Strophe a capella. Das war ein überaus beeindruckendes Erlebnis. Die dritte Strophe wurde dann wieder mit den Musikern des MVK gesungen.
Die KKG ist ja immer für Überraschungen gut und in diesem Jahr gab es quasi eine Premiere, denn wir hatten zum ersten mal seit über 50 Jahren wieder ein Solomariechen. Anne Schliebs hatte lange mit ihrer Trainerin Anika Steffgen geübt und konnte so in meisterlicher Perfektion über die (immer noch) winzige Bühne wirbeln. Tosender Applaus war ihr Lohn und sie durfte nicht ohne Zugabe die Bühne verlassen.
Der Sitzungspräsident kündigte sogleich den nächsten Auftritt an: Die drei Bahnarbeiter. Als Bahnarbeiter traten auf die Bühne Simeon Steinke, Andreas Schneider und unser zweiter Vorsitzender Alexander Bujara. Mit viel Witz und Ironie zeigten die drei, warum das Fußgängerübergangsbrückenprojekt nicht in absehbarer Zeit fertiggestellt werden kann – nicht mit dieser Sorte Arbeiter, bei denen Schwätzchenhalten und Pausen den ganzen Arbeitstag ausfüllen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als sie bei ihrem Pinkelsketch ganz ohne Text auskamen, zeigten die drei, dass sie auch sehr gut mit Worten umgehen können. Wir sind gespannt, was sie uns nächstes Jahr präsentieren werden.
Die OFG, die Oberfunkengarde der KKG gilt seit jeher aus attraktives Aushängeschild unserer Karnevalsgesellschaft, doch was tun, wenn die Trainerin für mehrere Jahre ins Ausland zieht? Aufhören? Nein! Nicht unsere großen Funken! Kurzerhand wurde die Trainerin Yvonne Ainsworth mehrfach eingeflogen (kein Witz!), um mit den Damen einen tollen Gardetanz einzustudieren. Und das gelang, trotz widrigster Umstände, bravourös. Und das bewiesen sie auch als nächster Programmpunkt auf der Bühne.
Lassen Sie mich kurz abschweifen und an dieser Stelle den Musikverein Kyllburg erwähnen. Da wir vielerorts andere Kappensitzungen besuchen, ist uns aufgefallen, das die Kyllburger Sitzungen die einzigen weit und breit mit einem richtigen Orchester sind. Meist findet man nur Alleinunterhalter mit Tuschs aus der Konserve. Bei uns werden noch richtige Instrumente gespielt. Das ist ein unbezahlbarer Luxus, dessen wir uns durchaus bewusst sind. Daher kann man dem Musikverein auch nicht genug danken für die Unterstützung, die uns die Musikerinnen und Musiker während der gesamten Session geben und das schon seit 58 Jahren. Herzlichen Dank!
Und da sind wir schon beim nächsten Programmpunkt. Zwei Herren die zwar erst 20 Jahre dabei sind aber dennoch schon zum Inventar gehören: Herbie (Herbert Matschulies) und Dussy (Christian Schmidt). In diesem Jahr traten sie als Clowns auf, die Kunst-Kultur-Kyllburg ablösen wollten und durch Frohsinn-Freude-Fröhlichkeit die zweite Stufe der Erfolgsrakete für die Wiederbelebung Kyllburgs starten wollten. Ihr Hauptthema handelte sich daher auch von der erfolgreichen Freibadrettung, die sie mit eigenen Vorschlägen ergänzten.
Lange mussten Sie bis zu ihrem ersten Auftritt des Abends warten, doch dann war es soweit. Nach Herbie und Dussy konnte die Jugendgarde eindrucksvoll vorzeigen, was sie die letzten Wochen und Monate hart trainiert hatten. Mit ihrem Gardemarsch, der keine Schwächen erkennen lies, machten sie nicht nur ihre Trainerin Heidi Bores glücklich, sie brachten auch das Publikum in Verzückung. Eine großartige Leistung, die beweist, dass es um den karnevalistischen Nachwuchs gut bestellt ist.
Ein Karnevalsverein pflegt oft viele Jahre hinweg tiefe Freundschaften zu anderen gleichgesinnten Vereinen. Ein noch relativ neu in Freundschaft verbundener Verein, sind die Freunde der Bütt aus Bitburg. Nach der Premiere 2014 waren sie in diesem Jahr zum zweiten mal Gast in der Narrhalla. Und sie hatten zum ersten Mal ein Dreigestirn mit Jungfrau, Prinz und Bauern dabei. Ein Dreigestirn war der große Wunsch des Prinzen und Bitburger Büttenurgesteins Karli Bosse, der in dieser Session nach 50 Jahren von der Bühne abtreten möchte. Aber zunächst brachten die drei Bitburger die Halle zum Schunkeln indem sie ein paar Lieder vortrugen. Ergänzt durch zahlreich humorvolle Kommentare wurde der kurze Gastauftritt zu einem vollständigen Programmpunkt.
Die Uhr rückte unerbittlich auf 23 Uhr zu und dennoch war an eine Pause noch nicht zu denken. Schließlich fehlte noch der heimliche Höhepunkt einer jeden Sitzung, der traditionell vor der Pause immer kommt. Gemeint sind in diesem Fall natürlich die Kirchturmsdohlen, die wieder drei neue Songs im Gepäck hatten. Ihre Themen waren die Jagd auf die Eintrittskarten zur Sitzung, die Rettung des Freibades und die Austrahlung der VOX-Sendung „Mein himmlisches Hotel“ mit Kyllburger Beteiligung. Es ist kaum zu glauben, aber die Kirchturmsdohlen bevölkern schon seit nunmehr 25 Jahren die Bühne. Grund genug sich auch mal selbst ein Ständchen in Form einer abgewandelten Textzeile aus einem ihrer größten Erfolge zu singen: „Seit fünfundzwanzig Jahren gibt’s das Dohlenvieh, darum gehörn auch sie zum Weltkulturerbe…“
Die anschließende Pause hatten sich alle, Akteure wie Zuschauer, redlich verdient.
Nach der Pause und dem Einzug des Närrischenfachpersonals eröffnete Alexanda Meusel die zweite Hälfte. Bereits zum Warmup vor der eigentlich Kappensitzung hatte sie die Gäste auf die Sitzung eingestimmt und jeden gebeten, die schlimmste Beschimpfung auf einen Zettel zu schreiben, die einem zu seinem Partner einfällt. Die Auswertung erfolgte schonungslos und öffentlich. Mit dieser kurzen Einlage hatte Alex das Publikum gekonnt wieder in der Kappensitzungsmodus geschaltet, sodass alle wieder aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne folgten.
Was wäre eine Sitzung ohne einen ordentlichen Schunkelwalzerteil? Nicht vorstellbar! Sylvia Ostermann hatte sich mit den Brändies männliche Verstärkung auf die Bühne geholt und gemeinsam mit dem Musikverein schunkelte man zu den Klängen von „Kornblumenblau“ bis „Wer soll das bezahlen“.
Alex Meusel war nicht nur gekommen, um die Leute mit einem Warmup in Stimmung zu bringen, nein, sie hatte auch einen eigenen Vortrag vorbereitet. In bester Standup-Comedian-Art sorgte sie nach den Schunkelwalzern für zahlreiche Lacher. Mit ganzem Körpereinsatz schilderte sie manche Anekdote aus dem Beziehungsleben. Und so mancher erkannte sich darin wieder.
Nach soviel Geschunkel und Gelache war die Zeit wieder Reif für einen Tanzteil. Aus Gerolstein hatte sich die Jugendgarde der Gerolsteiner Burgnarren angekündigt. Sie brachten einen schmissigen Gardemarsch auf die Bühne, der mit viel Applaus belohnt wurde.
Die Zeiger der Uhr zeigten schon auf nach Mitternacht. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Sitzung sich dem Ende zuneigte. Trotz der späten Stunde verhielt sich das Publikum immer noch ruhig und aufmerksam. Das musste belohnt werden! Und was könnte da besser passen, als unsere Jugendgarde? Neben ihrem zuvor gezeigten Gardetanz hatten die jungen Damen auch einen aufwändigen Showtanz einstudiert. Das Thema war der Orient. Zu Klarinettklängen erhob sich zunächst, wie von Geisterhand, eine tanzende Schlange aus einem Korb. Mit Lichtern kreisend schritten die jugendlichen Tänzerinnen zur Bühne und begeisterten mit einem Tanz, der in die Welt von 1001 Nacht entführte. Es versteht sich von selbst, dass die Mädchen nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen wurden.
Letzter Programmpunkt war die Darbietung der Traumtänzer, die traditionell den Abschluss des Abends bilden. Ihr Thema in diesem Jahr war alpenländische Folklore. Dieses schmissige, gemischtgeschlechtliche Männerballett rundete den gelungenen Abend ab.
Zum Finale kamen alle Akteure erneut auf die Bühne, um ein letztes Mal das Kyllburger Lied zu singen. Ausmarsch und Schluss um Punkt 1 Uhr!
Nach der Sitzung blieb man noch bis in die frühen Morgenstunden in geselliger Runde beisammen, denn noch hat man leider nicht oft genug die Gelegenheit im Eifeler Hof sein Bier zu trinken. Aber das wird sich bestimmt noch ändern.
Kyllburg, Helau!

Wilsecker, den 27.01.2015
Christian Schmidt
(Chronist der KKG)

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Kategorie: Aktuell