Kappensitzung 1965

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Kyllburg: "Mir sein erom do!"

Narrenschiff schaukelte auf hochgehenden Stimmungswogen – Sicher gesteuert

KYLLBURG. „Mir sein erom do!" Unter diesem Motto ist nicht nur am Wochenende die Kyllburger Karnevalsgesellschaft gegründet worden, mit diesem eigens für die närrischen Tage komponierten Kyllburger Karnevalsschlager startete die neue KG auch in die diesjährige Session, und wie sie startete, das war Klasse, das macht weit und breit keine Karnevalsgesellschaft den Kyllburgern nach. Ihr Narrenschiff schaukelte oft ganz bedenklich auf den hochgehenden Stimmungswogen, aber Präsident Richard Allmann mit seinem Elferrat und der flotten Funkengarde saß sicher am Ruder und steuerte das Schiff in den Hafen der Narretei vor Anker.

In der Tat: Die Kyllburger verstehen Karneval zu feiern! Wenn es in diesem Jahr auch in beengten Räumen geschehen muß, so ist doch jeder dabei. Der neue Stadtbürgermeister mit seinem Vorgänger war sogar im Elferrat vertreten, die Stadtkapelle schlug im neunte Jahr der Kyllburger Kappensitzung wie immer mächtig auf die Pauke, und das bunte Bühnenbild wurde von der munteren und feschen Funkengarde belebt.

Präsident Allmann hob pünktlich um 20.11 Uhr sein Zepter zur Eröffnung der Sitzung, und sein besonderer Gruß galt den Kyllburgern und auch den Be-suchern von auswärts, die über Schleichwege zu Eintrittskarten gekommen waren. Allmann wertete das als ein besonderes Zeichen des guten Rufes, der den närrischen Sitzungen in Kyllburg vorausgeeilt war.

Er hatte damit nicht zuviel gesagt. Denn schon gleich, als der fast 80jährige Eifelmaler Klaus Gerhards in die Bütt stieg und den „Anhalter" verkörperte, sprudelten aus seiner Büttenrede Witz, Humor und Geist. Er, wie auch sein Nachfolger Peter Weinandy, der seinen Lebenslauf zum besten gab, sind aus der Bütt überhaupt nicht hinwegzudenken. Brausende Lachsalven entlockte Helmut Schwickerath als Anarchist. Er ist wohl das klassischste Original der Kyllburger Karnevalisten, wenn man von Bolzen Nellchen absieht, der auch diesmal wieder mit zwei gelungenen Büttenreden mit von der Partie war. Arnold Bolz zeigte sich in seiner ersten Glanzrolle als letzter Fußgänger, dem die Autofahrer böse mitgespielt hatten. Über und über mit Verbänden bedeckt, konnte er dennoch seinen Humor nicht verbergen. Sogar der Jungkarnevalist Klaus Bores als „Bundeshaus-Meister" zeigte, daß es um den Kyllburger Karnevalistennachwuchs nicht schlecht bestellt ist.

Der Zeit weit voraus eilten die beiden Reporter des dritten Fernsehens (Matthias Schons und Helmut Schwickerath). Sie waren einfach Klasse in diesem Vortrag, der sogar bei Großveranstaltungen in den rheinischen Hochburgen des Karnevals gut und gerne bestehen könnte, ja vielleicht besser wäre als manches, was man in diesem Jahr von dort gehört hat. Helmut Schwickerath trat dann nochmals mit einem Song auf, der stürmischen Beifall erntete, und den Abschluß machten die Sänger der Harmonie, die vier „Majopals". Sie besangen das kleine und große Geschehen um und in Kyllburg in der gewohnten Manier, die viel Begeisterung hervorrief.

Die Kyllburger Karnevalisten werden in diesem Jahr auch einen Faschingszug veranstalten und ihre Sitzung mindestens einmal, wenn nicht zweimal, wiederholen. Der Termin wird noch bekanntgegeben.

Trierischer Volksfreund, 1965

Kategorie: Textarchiv