Fastnachtszug 1965

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Kurstadt Kyllburg – Hochburg der Fröhlichkeit

Viele Tausende bestaunten den Karnevalszug — Närrischer Höhepunkt der Session

KYLLBURG. Das Kurstädtchen bat sich in diesen närrischen Tagen wieder einmal mehr einen Namen als Hochburg des Eifeler Karnevals gemacht. Den guten Ruf in dieser Sicht haben die Kyllburger Karnevalisten mehr als bestätigt, sie haben, nachdem sie sich in der Karnevalsgesellschaft „Mier sein erom do" zusammengeschlossen hatten, am Karnevalssonntag einen Fastnachtszug veranstaltet, der es in sich hatte. Mindestens 3000 Menschen werden in den Straßen des Städtchens diesen Zug bestaunt haben. Sie kamen voll auf ihre Kosten, wenn sie auch noch so weit hergekommen sein mögen. Der Zug in Kyllburgs Straßen war zweifellos einer der großen närrischen Höhepunkte im Eifelland.

Schon kurz nach Mittag strömten am Sonntag Fahrzeuge und Fußgänger auf allen nach Kyllburg führenden Straßen ins Städtchen. Sie wollten zugegen sein, schon ehe der Zug um 14 Uhr in Bewegung kam. Min-' destens eine Stunde lang harrten viele Besucher in den Straßen der Stadt aus, und beklatschten dann den Karnevalszug, als dieser vom Stift herunterkam und sich unter ständigen Einlagen der Musikkapelle von Kyllburg und den Reigen der Funken- und Stadtgarde durch die Straßen bewegte. Wie immer war der Oberzeremonienmeister Anführer des Zuges. Ihm folgte die prächtig kostümierte Stadtkapelle, und dann war die Funkengarde mit ihrem närrischen Nachwuchs schon zu bestaunen. Die Kleinsten hatten sich ebenso in prächtige Kostüme gesteckt wie die aktive Funkengarde, die bei den Kappensitzungen der Kyllburger stets mit von der Partie war und in diesen Sitzungen ebenso für Stimmung sorgte wie im Fastnachtszug. Hinter der Funkengarde, folgte die Stadtgarde in prächtigen Husarenuniformen.

Dann folgte der Wagen des Präsidenten der Karnevalsgesellschaft mit Richard Allmann. Er verteilte mit dem Elferrat ständig Süßigkeiten unter die Leute, besonders dankbar aufgenommen von den Kindern, die sich überall die leckeren Bonbons nicht entgehen ließen.

Was wäre aber der Zug gewesen ohne die originell aufgebauten Wagen, an denen die Karnevalisten wochenlang gebastelt hatten? Man nahm die kleine und große Politik aufs Korn, sah aber auch, daß die Kyllburger Vereine und die gesamte Bevölkerung bei der Gestaltung des Zuges mitgewirkt und sich am Aufbau der Wagen beteiligt hatten.

Als erster Wagen kam der der Feuerwehr, die sich die Turnhalle mit dem Gerätehaus als Motiv genommen hatte. Was soll da der Stadtrat wohl gedacht haben? Man sah, daß der alte Stadtrat die Turnhalle bauen wollte, daß der neue Stadtrat sich aber noch nicht dafür entschieden hat Dann kam die Bundeswehr an die Reihe, mit dem Wagen der "Bundes-schleifanstalt". In alten Wehrmachtsuniformen und originellen Kostümen wurde da ein Rekrut bis auf die Klingen geschliffen. Dann folgte der als Frühling herausgeputzte Wagen des Kirchenchores, von dem immer wieder "Kyllburg Helau" zu hören war. Das Schwimmbad kam ebenfalls nicht zu kurz, und etwas Ironie steckte schon in dem Spruch auf dem Plakat drin: "Das Kyllburger Schwimmbad geht im Winter baden". Wie man hörte, soll es sogar unter Wasser stehen. Also müßte es wohl zu tief angelegt sein?

Aber nicht nur die Wagen, auch viele originelle Einzelkostüme und Gruppen waren' zu bewundern. Da sah man den "Maßhalter", der aber auf seine Art gar nicht maß hielt, sondern sich gleich mit mehreren Bierkrügen ausgerüstet hatte und auch seine dicken Zigarren ständig schmauchte. Die Zigeunergruppe ist als eine besondere Attraktion aus dem Zug zu melden, und dann auch noch der Bootsverleih von "Bolze Nellchen". Das Original der Kyllburger Büttenkanonen hatte sich den verhinderten Spanien-Bootsverleih aufs Korn genommen.

Schließlich hatte auch der Stadtrat noch seinen Prunkwagen, und alles in allem kann man diesen Zug als wohlgelungen bezeichnen. Die Kyllburger haben ihren vielen Besuchern gezeigt, was man auch auf närrische Art schaffen kann, wenn man zusammensteht und Gemeinschaftsgeist beweist. Sie haben ihn am Fastnachtssonntag in der Tat bewiesen und wurden dafür von den vielen auswärtigen Gästen belohnt, die nicht nur auf ihre närrischen Kosten kamen, sondern auch mit den Kyllburgern noch stundenlang in gemütlicher, fröhlicher Runde beisammensaßen.

Trierischer Volksfreund, 11.02.1965

Kategorie: Textarchiv