Fastnachtszug 1958

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Kyllburgs Karnevalszug 1958 sooo groß!

Regenwetterische Launen durch Heiterkeit übertrumpft – Lob den Veranstaltern

KYLLBURG. Die Karnevalisten der Kur- und Kneippstadt haben sich am Sonntag selbst übertroffen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß der originelle und farbenprächtige Karnevalszug alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt hat, ja, man war sich sogar einig, daß es so was in der gesamten Eifel noch nicht gegeben hat.

Trotz des Regenwetters waren alle Zufahrtsstraßen nach Kyllburg am Sonntagmittag überfüllt. Aus allen Gegenden, aus Prüm, Wittlich, Daun, Gerolstein, Bitburg, ja selbst aus Luxemburg und Belgien kamen die Freunde des Karnevals, um in der freundlichen Kurstadt einige frohe Stunden zu erleben. Auch viele amerikanische Wagen von den Flugplätzen Spangdahlem und Bitburg sah man in den langen Parkreihen. Die Gendarmerie hatte ein Verkehrskommando eingerichtet, das für eine reibungslose Abwicklung des Verkehrs sorgte.

Bereits am Vormittag hatte der historische Freiherr von Schawen die Kyllburger Fastnacht proklamiert und sein närrisches Programm für die drei tollen Tage den Kyllburgern verkündet, nachdem der Stadtbürgermeister mit seinem Rat die Regierungsgewalt an den närrischen hohen Rat übergeben hatte.

Mittags öffneten sich dann die Tore der Scheunen und Garagen, in denen seit Wochen unter strengster Geheimhaltung die Pläne für die Karnevalsüberraschungen verwirklicht wurden. Der farbenfrohe Zug nahm Aufstellung auf dem Siftsplatz und der Stiftstraße und nahm seinen Weg durch die Hochstraße, Bahnhofstraße und Bademer Straße und wieder zurück zum Stiftplatz. Voran marschierten die Fanfarenbläser in bunten Uniformen, gefolgt von der Funkengarde und dem närrischen Rat. Originell wirkte der Kyllburger Hahn, der in Überlebensgröße in der Mitte des Zuges stolzierte. Das Kneippbad warb um Kurgäste jedoch, zeigte die vorgeführte strenge Kurbehandlung, daß nur ein wirklich Hartgesottener sie lebend überstehen kann.

Die Kyllburger Stadtbahn fehlte natürlich auch nicht. Sie wurde in der Aufmachung gezeigt, wie sie in der kommenden Kursaison die weltverzweigten Stadtteile miteinander und mit dem Bahnhof verbinden wird. Das Fischer- und das Hexenhäuschen schufen Abwechselung für die Kleinen, während eine große Badewanne an das Fehlen einer Badeanstalt erinnerte. Ein neuer Industriezweig soll In der Kurstadt ansässig werden, nachdem es dem Kyllburger Raketenforscher gelungen ist, unbemannte Raketen in das Weltall zu schießen, was auf der mitgeführten Abschußbase bis auf einige Fehlstarts wohlgelungen vorgeführt wurde.

Zu erwähnen sind auch die vielen Fußgängergruppen, die den Zug hervorragend belebten. In ihren Reihen waren Karnevalsgecken vom Kindes- bis zum Greisenalter. Aufgezeichnet war auch die 40 Mann umfassende Musikkapelle In einheitlicher Karnevalstracht.

Die Straßen der Stadt waren natürlich dicht umsäumt von Schaulustigen, die von dem frohen Treiben ergriffen wurden und tüchtig mitschunkelten, als die Karnevalsschlager die Stadt durchhallten. Ganz Kyllburg war auf den Beinen und von dem munteren Treiben erfaßt. Bis in die späten Abendstunden sah man auswärtige Besucher mit den Kyllburger Gecken in froher und gemütlicher Runde in den Gaststätten der Stadt vereint, wo überall zum Tanz aufgespielt wurde. Der närrische Rat hatte tief in die Tasche gegriffen und die Kinder während des Zuges reichlich mit Süßigkeiten und Mandarinen versorgt.

So war der Kylburger Karnevalszug 1958 ein Ereignis für Groß und Klein. Man kann die verantwortlichen Männer der Karnevalsgesellschaft hierzu beglückwünschen. Nur schade, daß das Wetter nicht ideal war, sonst wären noch weit mehr Besucher gekommen. Jedenfalls war die Veranstaltung ein großartiger Erfolg, über den man noch lange in Eifel sprechen wird.

Trierische Landeszeitung, 18.02.1958

Kategorie: Textarchiv